Buchtipp: Wir gehen dann mal vor

Um die Reformbewegung Maria 2.0 für Verantwortungsteilung und die berufliche Aufwertung qualifizierter Frauen innerhalb der katholischen Kirche – konkret: im Priesterinnenamt – ist es in Pandemiezeiten still geworden. Kundgebungen sind ausgesetzt. Jacqueline Straub, die sich für genau diese Veränderung in der katholischen Kirche einsetzt, legt stattdessen ein neues Buch vor; Titel: „Wir gehen dann mal vor“.

„Zeit für einen Mutausbruch“ ist der Untertitel, er suggeriert: Jetzt kommt ein Rundumschlag an die Adresse der Kirchenleitungen, wo sich eine Minderheit hält, die den Ausschluss von Frauen in Entscheidungsprozessen und ihre Herabwürdigung im Praxisfeld weiterhin hochhält. Da hilft nur noch ein Mutausbruch. Bäm.

Das Wortspiel hätte es nicht gebraucht. Dass die Basis in der katholischen Kirche bereit ist, langsam auf den Kurs der Geschlechter-gerechtigkeit einzuschwenken, hat nicht zuletzt die jüngste Diskussion um die Ehe für alle gezeigt. Maria 2.0 trug dazu bei, Veränderung laut zu denken – öffentlich. Hier hat Kirche erlebt, dass sie durch Empowerment Boden gutmacht. Wenn sie gut ist, lernt sie daraus.

Der Reformprozess keimt seit einem Jahrzehnt. Wie in jeder anderen Institution auch, ist es eine Frage von Haltung und Macht. Diejenigen in der Verantwortung müssen bereit sein, diese zu teilen. Jeder, der sich hinter Dogmen verschanzt, ist es nicht. Alte Strukturen abzustreifen, dauert schon in säkularen Systemen lange. Der Strukturbaum der Kirche ist noch konservativer. Jacqueline Straub hat das verstanden und bleibt gelassen aber konsequent, etwa, indem sie Papst Franziskus geschrieben hat – damit er von ihr weiß. Punkt. Man muss das Rad nicht neu erfinden, indem man das Steuer teilt.

Straubs Gelassenheit und das Vertrauen darauf, dass sich ihre Berufung eines Tages erfüllt, blitzt in dem kleinen Band hie und da auf, und wer ohne die Erwartungshaltung hineinliest, dass er zwischen den Zeilen die Rosa Luxemburg der katholischen Kirche trifft, wird nicht enttäuscht. Das Buch meint es gut. Der Ausdruck Mutausbruch ist kein Aufruf zum Brandschatzen, sondern ein aufrichtiger und mit Beispielen unterlegter Appell an den Gemeinsinn in der Kirche. Dafür sollte – eigentlich – die Begeisterung für die Nachfolge Christi genügen, sagt die Autorin. Die an der Kirchenbasis zu entfachen, ist der tatsächliche Mutausbruch, den es braucht. Zuvor steht der Konsens: So gehen wir vor.

Zum Buch: Jacqueline Straub, „Wir gehen dann mal vor. Zeit für einen Mutausbruch“ ist als gebundene Ausgabe bei Herder erschienen.

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