Das Türchen des 5. Dezember

Die Chanukkia und ihre Botschaft

Es hätte nicht passender kommen können. Es war der rechte Zeitpunkt. Es wurde Licht, täglich um 17 Uhr vor der Stadtkirche in Köpenick. „Jüdische Weihnachten – Weinukka?“ Beziehungsweise; Jüdisch und christlich – näher als du denkst! An jedem der acht Tage ein Kerze mehr. Ja, es geht aufwärts mit dem Judentum und jüdischen Bevölkerung bei uns hier Berlin-Südost. Jesus selber war Jude, geboren von der jüdischen jungen Frau Maria. So sind wir Christ:innen und Juden und Jüdinnen unzertrennlich durch familiäre Bande miteinander verbunden.

Das Chanukka-Fest kam gerade zur rechten Zeit, nämlich gerade an den Tagen, an denen die Helligkeit am kürzesten und die Dunkelheit am längsten ist. Acht Abende lang wurden auf der Kirchwiese vor unserer Stadtkirche jüdische Segenssprüche rezitiert, hebräische Lieder gesungen und allen wettermäßigem Unbill zum Trotz in Form von Regen und Sturm die Chanukkia entzündet. Sie fiel um, ging zu Boden und wurde wieder aufgerichtet und brannte hell; gleichsam ein Sinnbild für jüdische Geschichte und jüdisches Leben mitten unter uns.

Chanukka , das Fest der Hoffnung und des Lichtes, allen Widrigkeiten zum Trotz. Sie brannte hell, die Chanukkia, ganz in der Nachbarschaft des Sterns von Bethlehem, der am Stadtkirchenturm zu Köpenick ein Zuhause gefunden hat. Die beiden Lichtquellen konnten sich sehen, nachbarschaftlich begegnen und gegenseitig erleuchten.

Die Chanukkia hat zugleich uns eine Lehre verpasst über den Kampf gegen das Virus, in einer Zeit, da an das Ende der Pandemie noch lange nicht zu denken ist. Der Advent fühlt sich auch in diesem Jahr alles andere als normal an. Daher warten wir auf die Ankunft des Lichtes (lateinisch adventus), das für uns Christ:innen der Jude Jesus von Nazaret gebracht hat. Die Hoffnung auf das kommende Licht ist selbst inmitten unserer Niedergeschlagenheit und Verzweiflung infolge der Pandemie unerlässlich. Der Glaube versetzt uns in die vorteilhafte Situation, dass wir fest davon ausgehen können: Wir dürfen neu beginnen, alle Tage neu. In der Tat ein Wunder! Zugleich eine Einladung an uns, immer wieder den Perspektivwechsel vorzunehmen: das wahre Licht zu schauen als eine nie versiegbare Quelle der Inspiration, selbst mehr Licht in die Welt zu tragen und dem wahren Licht des kommenden Gottes zu trauen.

Lasst uns also nicht länger über die Dunkelheit, die pandemiebedingten Einschränkungen und die insgesamt schwierige Situation jammern und klagen, sondern besser ein Licht anzünden und das Kommen des wahren Lichtes in unser Leben freudig erwarten.

Einen gesegneten 2. Advent!

Ihr Pfarrer Ralf Musold

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