Das Türchen des 8. Dezember

Eindrücke aus dem Seniorenkreis Köpenick-Nord im Charlotte Rose-Haus, gesammelt von Pfarrerin Marit von Homeyer.

„Was mögen Sie an der Adventszeit?“

„Die schöne Beleuchtung in der Altstadt und den Schwibbogen, den wir von unserer Straße aus sehen.“
„Die gemütliche Atmosphäre zu Hause bei Kerzenschein, das Backen von Keksen und, dass es im Advent ruhig zugeht weil man vieles was sonst zu tun ist, wegen der Dunkelheit und Kälte draußen nicht machen kann!“
„In diesem Jahr ist für mich die Adventszeit, ausgelöst durch Corona, eine Zeit des Nachdenkens, die Zeit der Erwartung des Lichtes. Ich denke an „Die Schöpfung“ von Hayden: „Der Geist Gottes schwebte über den Wassern und Gott sprach „es werde Licht“, und es ward Licht!“ Da ich den Krieg erlebt habe, bin ich für jeden neuen Lebenstag in der warmen Stube dankbar.“
„Ich bin sehr dankbar dass ich durch meine Eltern meinen Glauben und mein Gottvertrauen vermittelt bekommen habe. Viele meiner Verwandten und Freunde sind schon gestorben. Wenn es mir schlecht geht hilft es mir mit einem lieben Menschen zu telefonieren. Ich liebe Kerzen und die romantische Atmosphäre.“

Sterne, Kerzen, Erinnerungen: Die Seniorinnen und Senioren tauschen sich im Charlotte-Rose-Haus aus. Foto: M. v. Homeyer

„Erinnern Sie sich an eine adventliche Tradition aus Ihrer Kindheit?“

„Im Winter wurde nur das Wohnzimmer geheizt, alle anderen Räume waren kalt, denn es gab damals kaum Brennmaterial außer in den Ruinen und die Kohlenversorgung war spärlich. Es wurde gespart wo man konnte. Im Wohnzimmer, das zugleich Arbeits- und Spielzimmer war, stand der Weihnachtsbaum. Der Baum wurde aus Platzgründen schon kurz nach Weihnachten ins Schlafzimmer gebracht, in dem damals die ganze Familie schlief. Es war schön beim Aufwachen die Spiegelungen von den Glaskugeln vom Bett aus zu sehen.“

„Die Kirchen waren bei uns in Erfurt nach dem Krieg zerstört. Schäden. Aber eine kleine Kapelle stand noch, und die empfand ich damals als besonders gemütlich.“

„Bei uns übte die Familie an den Adventssonntagen nachmittags die Advents- und Weihnachtslieder ein.“

„Wir sind als Kinder allein in den Gottesdienst gegangen. Die Kirche war so voll, dass wir Kinder zum Glück immer vorne auf den Altarstufen sitzen durften, –  einige Menschen konnten den Gottesdienst leider nur von draußen miterleben.“

„Es gab in meiner Kindheit keine Kerzen. Wir gingen zur Großmutter an den warmen Herd und sangen als Familie unseren Vorrat an Weihnachtsliedern, der reichte für eine Stunde; und sogar mehrstimmig.“

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