Andacht: Wenn morgen die Welt unterginge …

Luthers Apfelbäumchen und die Wiedereröffnung der Stadtkirche Köpenick

„Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Liebe Gemeindemitglieder,

liebe Leserinnen und Leser!

Am 30. August feierten wir die Wiedereröffnung der Stadtkirche Köpenick nach der langen, zweijährigen Zeit der Restaurierung. Am Eingang der Kirche begegneten wir einem von ukrainischen Gemeindemitgliedern nach Luthers Art gepflanzten Apfelbäumchen und dachten im Gottesdienst über diese Symbolik und unsere Geschichte als Kirchengemeinde nach. Was ist eigentlich geschehen?

1. Restaurierung des Gebäudes – Pflanzung eines lebendigen Baumes

Wir haben die Mauern restauriert – das ist die Bewahrung unserer Geschichte. Aber mit dem Apfelbäumchen am Eingang setzen wir ein Zeichen für die Zukunft. Die Restaurierung ist kein Punkt, sondern ein Komma. Die Kirche lebt nicht vom Stein, sondern von den Menschen, die eintreten und im Glauben Wurzeln schlagen.

2. Akt der Hoffnung wider alle Umstände

Es heißt, Martin Luther habe einmal gesagt: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Kirchenhistoriker sagen: Vermutlich hat er das so nicht gesagt. Aber 1944, als die Welt um sie herum zusammenbrach, fanden Christen der Bekennenden Kirche in diesen Worten Kraft. Und heute, wenn wir die restaurierten Türen unserer Köpenicker Stadtkirche St. Laurentius öffnen, tun wir dasselbe: Wir pflanzen in Zeiten des dramatischen Klimawandels Bäume, weil wir glauben, dass Gott seine Schöpfung nicht verlässt.

3. Einladung, Wurzeln zu schlagen

Der Apfelbaum steht direkt am Hauptportal. Er wird alle begrüßen, die die Schwelle überschreiten. Das symbolisiert das Versprechen an neue und alte Gemeindemitglieder gleichermaßen: Kommen Sie, schlagen Sie Wurzeln in der Gemeinde, wachsen Sie mit diesem Baum! Mit der Zeit wird er Früchte tragen – so wie wir in unserem Leben und wie unsere Gemeinde, wenn wir füreinander sorgen.

4. Herbst, September und Ernte

Jetzt im September ist Erntezeit. Unser kleiner Apfelbaum wird dieses Jahr noch keine Früchte bringen. Genauso wie die erneuerte Stadtkirche stehen wir am Anfang einer neuen Etappe. Aber wir glauben: Mit der Zeit werden hier nicht nur Blüten erblühen, sondern auch Liebe, Zuwendung und Gemeinschaft wachsen. Das werden die guten Früchte sein, die Gott, der Paradiesgärtner, von seinem Garten und von uns erwartet. Freuen wir uns mit Martin Luther auf Gottes Garten – schon jetzt und am Ende der Zeit, wenn wir Gottes himmlischen Garten Eden einmal selbst schauen dürfen.

Herzlich grüßt Sie

Ihr Pfarrer Ralf Musold

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