Was schenkt man einer Kirche zu ihrer Wiedereröffnung? Blumen? Ein Fest? Gute Wünsche? Im Sommer 2026 haben rund 70 chormusikbegeisterte Menschen eine besonders persönliche Antwort gegeben: Sie haben ihre Stimmen geschenkt.

Anlässlich der Wiedereröffnung der Stadtkirche Köpenick entstand ein offenes Mitsingprojekt. Inmitten der Sommerferien trafen sich Menschen aus Köpenick, Steglitz, Wannsee, Charlottenburg, Mitte und vielen anderen Teilen Berlins zu Proben. Manche singen regelmäßig im Chor, andere hatten seit Jahren nicht mehr gesungen. Was sie verband, war die Lust, gemeinsam etwas Besonderes zu schaffen.
Die Proben waren intensiv, aber bewusst flexibel gestaltet. Denn nicht jeder kann sich Woche für Woche an einen festen Chor binden. Gerade darin lag eine besondere Stärke des Projekts: Menschen konnten für eine begrenzte Zeit Teil einer großen musikalischen Gemeinschaft werden und gemeinsam etwas Größeres für ihren Stadtteil und ihre Gemeinde gestalten und schenken. Aus vielen einzelnen Stimmen entstand so ein gemeinsamer Klang – und aus einem Chorprojekt ein ganz persönliches Geschenk zur Wiedereröffnung der Stadtkirche.
In den Pausen wurde Kaffee geteilt, selbst mitgebrachte Speisen wurden zu einem kleinen Buffet, es wurde erzählt und gelacht. Alte Kontakte aus der Kindheit lebten wieder auf, neue entstanden. Besonders berührend: In manchen Familien sangen drei Generationen gemeinsam – Großeltern, Eltern und Kinder. Eine Teilnehmerin schrieb später, wie sehr sie diese Erfahrung berührt habe: gemeinsam mit ihrer Großmutter und ihren beiden Kindern zu proben und ein solches Ereignis vorzubereiten.
Dann kam der 30. August. Die wiedereröffnete Stadtkirche wurde zum Klangraum für dieses besondere Geschenk. Gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendchor standen fast 100 Sängerinnen und Sänger auf der Orgelempore. Dazu kamen 20 Musikerinnen und Musiker des Orchesters Concertino Berlin sowie die Solistinnen und Solisten Frieda, Anna, Alexander und Carlo.
Die noch nicht vollständig zurückgekehrte Orgel wurde dabei auf ganz eigene Weise „ersetzt“: durch einen gewaltigen menschlichen Klangkörper.
Besonders eindrücklich blieb vielen der Moment, als der Jugendchor allein sang. „Gänsehaut pur“, schrieb eine Teilnehmerin. Eine andere fasste ihre Erfahrung in drei Worten zusammen: Resonanz. Empowerment. Gemeinschaft.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft des gemeinsamen Singens. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Es geht darum, gemeinsam zu atmen, zu hören und einen Raum mit Klang zu füllen.
Und es geht um mehr als Musik. Gemeinsames Singen schafft Begegnung, kulturelle Teilhabe und Verbundenheit. In einer Zeit, die von Unsicherheit und Zukunftsängsten geprägt ist, können viele Stimmen ein Zeichen von Zuversicht sein.
Eine Teilnehmerin schrieb: „Ich würde wahrscheinlich vom letzten Konzert schwärmen und berichten, dass ich nach Möglichkeit kein Projekt mehr verpassen möchte.“
Vielleicht ist das die schönste Einladung für das nächste Mal: Schenke Deine Stimme. Sie wird gebraucht.

Von Herzen: Danke! Ein herzliches Dankeschön an alle Sängerinnen und Sänger, unseren Kinder- und Jugendchor, die wunderbaren Solistinnen und Solisten Frieda, Anna, Alexander und Carlo sowie an das Orchester Concertino Berlin für Euer Singen, Eure Zeit und Eure Begeisterung.
Ihr habt der wiedereröffneten Stadtkirche nicht nur Musik geschenkt – Ihr habt ihr Eure Stimmen, Eure Zeit und ein Stück von Euch selbst geschenkt. Dafür bin ich von Herzen dankbar.
Mit herzlichstem Dank
Jānis Pēlmanis
Herzlichen Dank an das Bezirksamt Treptow-Köpenick, das dieses Projekt durch die Förderung im Rahmen der Dezentralen Kulturarbeit ermöglicht hat.








