Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses: 90 Jahre „MLK“

Palmsonntag 1934 wurde die Martin-Luther-Kapelle in Köpenick-Nord eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. 90 Jahre später fällt die Kirchweih wieder auf Palmsonntag. Noch immer ist der kleine Bau die kirchliche Heimat vieler. Seit drei Jahren sind die ehemaligen Wohnräume in Gemeindenutzung. Ein Rückblick.

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Uhlenhorst erhielt 1930 einen eigenen Pfarrer. Drei Jahre später erfolgte der erste Spatenstich für die Kapelle, die im Jahr darauf, 1934, geweiht wurde. Es gab einen Festumzug vom Gartenrestaurant an der Mahlsdorfer Straße / Ecke Unter den Birken, dem zuvor behelfsmäßigen Gemeindetreffpunkt, bis vors Kirchportal, wo die feierliche Schlüsselübergabe vollzogen wurde. Nicht alle Gäste fanden Platz in der Kapelle, der Gottesdienst wurde nach draußen übertragen.

Pfarrvikarin Charlotte Rose war die erste, die für den Gemeindebereich Köpenick-Nord beauftragt wurde. In eindrucksvoller Erinnerung bleibt bis heute ihr mutiger Einsatz, als am Ende des Zweiten Weltkriegs die Russen kamen, und sie sich entschlossen vor die Kapelle und in den Weg der Soldaten stellte, um die Frauen und Kindern (es waren 170 Menschen) im Innern zu schützen.

Ein besonderes Ereignis war die Einweihung der Orgel an Christi Himmelfahrt 1957, um die sich Pfarrer Martin Helmer und Pastorin Lieselotte Berli bemüht hatten, und deren Bau der Gemeinde viele große und kleine Opfer abgefordert hatte.

Die Gemeinde in Köpenick-Nord wuchs. Die Menschen kamen in der Martin-Luther-Kapelle zusammen, sie feierten Gottesdienst, Taufen, Hochzeiten und Konfirmationen sowie Gemein-defeste. Es gab hauptamtliches Personal, neben den Pfarrern waren das ein Kirchwart (später eine Kirchwartin), eine Organistin und eine Reinigungskraft. Sie wurden zwar alle schlecht bezahlt, versahen aber hauptamtlich alle Dienste, die wir inzwischen ehrenamtlich bewältigen. Dafür hatten die damaligen Ehrenamtlichen für andere Aufgaben Zeit: Sie kümmerten sich zum Beispiel um die Aufarbeitung aller Kirchenbänke. Auch im Innern der Kapelle hat sich ab und zu etwas verändert: In den 1970er Jahren bekamen wir die quadratischen Leuchten und eine ziemlich grüne Altarwand, in den 1990er Jahren verzierte ein engagierter Kunstmaler die Altarwand und die Deckenmitte stilvoll.

Auf 90 Jahre blicken wir dankbar zurück. Wir müssen hinnehmen, dass auch wir Christen in Köpenick-Nord weniger werden. Doch für uns alle, die wir uns hier einfinden, ist die Martin-Luther-Kapelle Heimat und wir wollen sie auf keinen Fall hergeben. So wünsche ich uns allen Zuversicht, dass wir weiterhin Lebendigkeit hier hereinbringen können.

Möge dieser Ort noch lange ein Ort zum Segen der Gemeinde sein, von dem wir sagen können: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses.“

Text: Astrid Wekel // Fotos: Astrid Wekel, Johannes Steude, Brigitte Schmidt

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